Masha Qrella „Unsolved Remained“ Morr Music/Soul Seduction 2005

Das Debüt „Luck“ (2003) von Masha Qrella war wohl eine der erfreulichsten Überraschungen der Saison. Zwischenzeitlich hat die Ostberliner Musikerin die Band NMFarmer mitgegründet und jede
Menge Solo- und Bandkonzerte absolviert. Und fand zwischen Touren und Auftritten noch Zeit, das Konzept Masha Qrella weiter auszuformulieren. Schon der Titel ihres zweiten Soloalbums gibt
sich etwas sperrig bis vage – dieser vermeintlichen Verweigerung einer Auflösung oder Zielsetzung steht allerdings in gewisser Weise ein durchaus überlegtes Vorgehen in den Produktionsabläufen gegenüber: Für „Unsolved Remained“ hat sich Qrella mit mehreren Kollegen wie Henrik Johannsen (das Ergebnis ist das schöne „I Can’t Tell“ mit den wunderbar verhatschten Beats), Rechenzentrum
und Norman Nitzsche zusammengetan. Wo „Luck“ noch das verstärkte Gefühl einer intimen Unabgeschlossenheit und die Vorstellung, in erster Linie „für sich alleine“ Sounds und Stimme zusammenzuführen, evozierte, wirkt Masha Qrellas sophisticated
Auftritt nunmehr souveräner. Der melancholische, herbstliche Grundton ist geblieben, ebenso wie dieses leichte Spannungsverhältnis, das wir an Masha Qrella so sehr zu schätzen wissen: zart, aber nicht süßlich, weich, aber nicht smooth. Oder: klar und introvertiert, warm und kühl, elektronisch und akustisch zugleich. Noch immer eine schöne Sache.

Vina Yun