Eleni Mandell „Afternoon“ Trocadero Records/Ixthuluh 2005

Es täte ihr Leid, wenn sie alle enttäuschen muss, die eine Bluessängerin erwartet haben, meinte Eleni Mandell bei ihrem Wien-
Konzert Anfang dieses Jahres. Es ist nicht einfach, die junge Kalifornierin einzuordnen, und der Einfachheit halber ist sie
eben in der Bluesschublade gelandet. Dass Mandell mit Schubladen nix am Hut hat, beweist sie schon allein dadurch, dass sie
so gar nicht dem Image der Kalifornierin aus Malibu entspricht. Nix braun gegerbt, nix wasserstoffblond und nix silikonausgestopft.
Als Kind lernte sie Geige und in den 1980ern verehrte sie die Punkband X. Später zählte Tom Waits zu ihren Vorbildern.
Sicherlich finden sich Blueselemente in ihrer Musik, aber auch Soul und Country, und wenn schon zugeordnet werden muss, dann lässt sich auch Jazz heraushören. In puncto Songwriting besticht Eleni Mandell durch wunderbares Understatement und vermeidet jegliches Mittelmaß. Ihre Stimme lässt die Ohren heiß werden. Einmal himmelhochjauchzend, einmal sexy, einmal schluchzend und ein anderes Mal flirtend. Mit ihrem Album „Afternoon“ schaffte Eleni Mandell verdienterweise endlich auch in Europa den Sprung vom InsiderInnentipp zu einer Indiepopgröße, wie das so schön heißt (Schublade!). Mit Bravour hat Mandell sich in einem Genre bewiesen, das von sich selbst überschätzenden
Männern dominiert wird. Bitte weiter so, Eleni!

Ute Springer