Colleen „The Golden Morning Breaks“ The Leaf Label/Soul Seduction 2005

Bei dem Attribut „meditative Schönheit“ schlafen mir ja normalerweise Socken und Sinne ein, aber in diesem Fall findet dieses sogar auf gar positive Weise sein Zutreffen. Colleen alias Cécile Schott legt mit diesem Stück Musik nach „Everyone Alive Wants Answers“ (2003) nun ihr zweites Album vor. Anders als beim letzten wurden hier keine Samples eingesetzt, sondern die Aufnahmen live und ausschließlich mit akustischen Instrumenten bestritten. Die spürbaren Einflüsse von Musik vergangener
Jahrhunderte machen dieses Album vielleicht auch für FreundInnen der so genannten Ernsten Musik genießbar. Als wiederkehrend
hypnotisch-nostalgisches Element findet sich eine glockenspielartig
klingende Glasharmonika aus dem 19. Jahrhundert, die sich mal von lieblich-melodiös zu unheilverkündend-enigmatischer Stimmung verzerrt. Der Sound oszilliert irgendwo zwischen Meditationsmusik
und verspielt-verschrobener Ambientatmosphäre, lässt sich aber sicher auch 1a für geisterbesessene asiatische Gruselfilme
vorstellen, in welchen kleine teuflische Schulmädchen mit unschuldiger Miene böse Erwachsene murksen und danach
Triangel spielen gehen. Diese Musik wird vermutlich viele EsoterikerInnen, E-Musikund ElektrofanInnen, Katzen (beruhigend!)
und (Klein)Kinder begeistern oder zumindest irgendwie in seltener Einigkeit verzaubern. Das Einhorncover mit der Schmetterlingselfe müssen sich ja nicht alle über ihr Bettchen hängen.

Nina Stastný