Ciara „Goodies“ La Face/Sony BMG 2004

Bekanntermaßen wird bei Akteurinnen in der HipHop- und R&B-Arena mit Adelstiteln nicht gegeizt – Queens, Princesses und
First Ladies, wohin man guckt. Dementsprechend enthusiastisch wird uns auch dieses New Talent vorgestellt: „The princess
is here!“ Fanfare, hoch der Vorhang, hier kommt Ciara P. (und wieder mal: Princess) Harris, gerade mal 19 Jahre jung und
bereit, Aaliyahs Erbe anzutreten. „Crunk & B“ nennt sich der von u. a. Lil’ John (siehe „Yeah“ von Usher) und Jazze Pha gepushte
Sound made in Atlanta, der mit extrem tiefen Bässen und dramatisch-pompösen Synthiegewitterwolken daherkommt. In
Kombination mit Ciaras Vocals, die stellenweise tatsächlich wehmütige Erinnerungen an Aaliyahs zart-kühlen Gesangsstil
wecken, bebt der Clubnerv. „Goodies“ oder „1, 2 Step“ (mit Gastauftritt von Missy Elliott) funktionieren prächtig als Party-Anthems – und wären sie nicht die einzigen Zugpferde auf Ciaras Debütalbum, ihre berechenbare Kurzlebigkeit würde nicht weiter
stören. Allerdings wirken die restlichen Stücke auf dem Album eher wie liebenswürdige, aber etwas kraftlose Zugeständnisse
an konventionelle R&B-Vorgaben. Mal ganz abgesehen davon, dass die Formel R.-Kelly-Ballade ja schon seit Längerem nicht mehr ein Qualitätsmerkmal darstellt. „Dust yourself off and try again“,
würde Aaliyah an dieser Stelle vielleicht raten – diese Fußstapfen sind für Ciara jedenfalls leider (noch) etwas zu groß.

Vina Yun