AGF/Delay „Explode“ AGF Producktion/Ixthuluh 2005

Es sind nicht die ersten Stücke Musik, die Antye Greie (agf, Laub) und Vladislav Delay (Luomo) veröffentlicht haben, doch mit „Explode“ hat „dieses Paar-Band-Ding“ das erste Mal gemeinsam seinen Weg ins Studio gefunden. Herausgekommen ist ein smoothes, auf elektronische Beats und Vocalparts reduziertes Minimal-Electro-Popalbum. Ein düster melancholischer Rahmen umspannt die Geschichte, die agf mit ihrem atmosphärischen
Sprechgesang erzählen möchte, deren Texte wie Reality Bites in die sanften, experimentellen Beatfragmente Delays einfließen und es dennoch schaffen, nicht in einen Easy-Listening-, Chill-out-
Kitsch abzudriften. Die Inspiration zu den einzelnen Stücken kommt vor allem durch unterschiedliche Eindrücke, die ihre vielen Reisen bei ihnen hinterlassen haben, durch die Wahrnehmung einer alle Lebens- wie Denkaspekte vereinnehmenden Konsumgesellschaft und der Auseinandersetzung mit dem politischen Geschehen auf
der ganzen Welt. So erzählt „Explode Baby“ etwa die Geschichte eines Mädchens, das ihr Leben mit einem Selbstmordanschlag beendete, während der Titel „Restrict“ die Problematik bereits beim Namen nennt: restriktive Visa-Politik („In those countries living in political chaos / named transition“). Wer bei „Explode“ auf eine nach außen gerichtete, laut-musikalische Kulmination hofft, wartet vergeblich, denn es verspricht vielmehr gleichmäßig ruhig dahinfließende Stücke, die mit „introvertierten Explosionen“ (Delay) arbeiten und somit einen bewusst gewählten Kontrast zum Albumtitel bilden.

Ulli Mayer