Oliver Tolmein
RAF – Das war für uns Befreiung. Ein Gespräch mit Irmgard Möller über bewaffneten
Kampf, Knast und die Linke

Irmgard Möller, Mitglied der Roten Armee Fraktion
(RAF), wurde im Juli 1972 im Alter von 25 Jahren verhaftet. Als Einzige hat sie die „Todesnacht“ am 18. Oktober 1977 von Stammheim schwer verletzt überlebt, bei der Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe ums Leben kamen. 1994 wurde sie nach 22 Jahren, vier Monaten und 21 Tagen Haft aus dem
Gefängnis entlassen. Der Journalist und Rechtsanwalt Oliver Tolmein führte über einen Zeitraum von einem Jahr Gespräche mit Irmgard Möller. Er wollte einen Blick auf den Abschnitt linksradikaler Politik eröffnen, der die Aufbruchstimmung erfasst, das antiautoritäre, rebellische Moment, das Menschen motiviert hat, alles infrage zu stellen, einen radikalen Bruch zu wagen und dabei das eigene Leben zu riskieren. Irmgard Möller versucht nicht, zu erklären oder zu rechtfertigen, sie erzählt einfach ihre persönliche Geschichte: über Entwicklung und Ende des bewaffneten Kampfes in Deutschland, über ihre Haftzeit, die Hungerstreiks und ihre Erfahrungen seit ihrer Entlassung 1994. Als Zeitzeugin und Überlebende steht sie dem Mythos RAF gegenüber. Was Irmgard Möller zu erzählen hat, ist nämlich zur Mythenbildung nicht geeignet.

Birgit Mennel