Joyce Carol Oates
bad girls


Kurzweilig und dennoch hintergründig präsentiert die produktive US-amerikanische Autorin zehn Geschichten, die von Mädchen handeln, die dabei sind, ihr oberflächlich sonnig-sorgloses Teenage-
rinnen-Dasein zu verlassen. Doch – man ahnt es schon – hinter der Blümchenfassade der zerbröckelnden Mädchenwelt lauern die Widersprüchlichkeiten weiblicher Lebensentwürfe, denen sich die Heldinnen mal risikofreudig, mutig oder auch ängstlich stellen. Vorhersehbarerweise spielen dabei auch männliche Objekte ihres Begehrens eine Rolle. Eine stilisierte Flucht aus der kleinen Welt in die große wird mitunter an der starken Hand eines windigen Typen vollzogen, wenn zum Beispiel Connie sich von diesem mehr gewaltsam als verführerisch überreden lässt, mit ihm abzuhauen und die Naivität hinter sich lässt. Aber eben nicht immer. Manchmal geht es auch um den Wunsch, die Kindheit nicht verlassen zu müssen und die bestehenden Verhältnisse, wenn’s sein muss, auch mit böser List zu erhalten – wie in der Geschichte dreier Töchter, die ihre Mutter vor dem Verehrer und sich selbst vor dem potenzi-
ellen Stiefvater bewahren wollen. Oates charakterisiert ihre bad girls dabei als hellsichtige, gerissene Akteurinnen, die sich tapfer zur Wehr setzen, wenn sie Gefahr laufen, in eine hilflose Rolle gedrängt zu werden, und so dem System der Geschlechterkonventionen meist entkommen.

Nina Stastný