
![]() ![]() |
Elfriede Jelinek Die Ausgesperrten |
|
| „Die Ausgesperrten“ ist zweifellos einer der „lesbarsten“ Romane von Elfriede Jelinek. Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit in den 1950-iger Jahren. Vier Jugendliche schließen sich zu einer Bande zusammen und begehen scheinbar sinnlose und brutale Raubüberfälle. Rainer Maria Witkowski und seine Zwillingsschwester Anna, Sophie Pachofen und Hans Sepp, scheinen nicht viel mehr gemeinsam zu haben als ihr Alter. Die Geschwister Witkowski kommen aus kleinstbürgerlichen Verhältnissen, der Vater ein Kriegsinvalide und alter Nazi, die Mutter wird von ihm misshandelt und gedemütigt – und von ihren Kindern verachtet. Sophie kommt aus „gutem Haus“: reiche Eltern, Villa in Hietzing und Tennisstunden. Hans Sepp, nur ein paar Jahre älter als die drei aber „ohne jede Reife“, ist Handwerker, ein „Prolet“ also. Was sie aber gemeinsam haben, ist ein tiefer Lebensekel und das Gefühl, gefangen zu sein, in einer verlogenen, reaktionären Gesellschaftsordnung. Zunächst versuchen sie, ihre Frustration durch die Lektüre von Sartre und Camus zu bewältigen und greifen später zu verstörender Brutalität gegen PassantInnen. Die sprichwörtliche Gewaltspirale dreht sich weiter und endet in einem Blutbad, als Rainer seine ganze Familie ermordet. Was auf den ersten Blick wie ein sozialkritisches Lehrstück wirkt, ist ein komplexer Roman von geradezu bedrückender erzählerischer Dichte. Jelinek beschreibt die Mechanismen von Gewalt, Unterdrückung und Wut. Die Sprache ist klar, präzise und voller Kälte. Jelinek kennt kein Mitgefühl für ihre ProtagonistInnen, weder für „Opfer“ noch für „TäterInnen“ – ein Blickwinkel, der gewöhnungsbedürftig ist. Die Ausgesperrten ist einer meiner erklärten Lieblingsromane und sollte in keinem Bücherregal fehlen! Alexa Jirez |