Frigga Haug & Katrin Reimer (Hg.)
Politik ums Kopftuch

Die Debatte um das Tragen eines Kopftuchs in öffentlichen Institutionen ist nun schon seit einigen Jahren eine immer wieder neu aufflammende, sehr emotionale Diskussion. Einige gegensätzliche Positionen von Feministinnen, TheologInnen, SoziologInnen, aber auch säkularen und religiösen Organisationen werden in diesem Buch gesammelt vorgelegt. Oft wird diese Diskussion aus Angst vor Fremdenfeindlichkeits- und Intoleranzvorwürfen mit einer besonderen Vorsicht geführt, die an klaren Stellungnahmen zu wünschen übrig lässt. Umso spannender ist diese Sammlung von Texten, die punkto Eindeutigkeit keine Fragen offen lässt. Auseinandersetzungen mit der bereits erwähnten Vorsicht und der offensichtliche Versuch, Frauen-
rechte und Antirassismus gegeneinander auszuspielen, werden thematisiert. Ebenso werden Begrifflichkeiten, wie sie sich Me-
dien infolge der Debatte zurechtgelegt haben, hinterfragt: ob das Kopftuch z. B. als „religiöses Symbol“ oder Symbol für Fun-
damentalismus aufgefasst werden kann und eine Trennung zwischen Kirche und Staat bedroht. Das Buch verschafft einen guten Überblick über die verschiedensten Standpunkte in der Debatte ums Kopftuch. Besonders positiv ist auch, dass es sich um keine suggestive Auswahl der Texte handelt, die in eine bestimmte Richtung weist. In der Meinungsbildung letztlich bleibt die Leserin allein.

Beate Hausbichler