Helene von Druskowitz
Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt

Als ich mit 20 diese 1905 verfassten „pessimistischen
Kardinalsätze“ zufällig in die Hände bekam, beeindruckten sie mich immens. Die Mischung aus bitterböser Sprachgewalt und wütender Kompromisslosigkeit, die wortwörtliche Verteufelung des männlichen Geschlechts und die leidenschaftlich formulierten Forderungen für die Rechte der Frauen erschienen mir für die Zeit, in der sie geschrieben waren, nahezu unglaublich. Und so gar nicht überholt. Auch Druskowitzs faszinierendes Leben – die erste promovierte Österreicherin, bekennende Lesbe und Feministin, einen exzessiven Lebenswandel pflegend, mit 35 Jahren in die psychiatrische Anstalt Mauer-Oehling eingewiesen und dort, nach 27 Jahren, vereinsamt gestorben – ließe diese Frau in einem besonders glänzenden Licht erscheinen. Aber: Manche Abgründe erschließen sich erst auf den zweiten Blick. So radikal und ansprechend ihre Texte auch sind, so gefährlich erweisen sie sich bei näherer Betrachtung, denn der Boden, der ihre Überlegungen und philosophischen Prämissen nährt, ist durchzogen von elitärem Überlegenheitsdenken, immanenten Vernichtungsfantasien und mystischen Heilsversprechungen, die sich wie Schlingpflanzen langsam um den Hals wickeln. Und nicht überall, wo Feminismus draufsteht, ist auch Feminismus drin, für den es sich mit Engagement und Leidenschaft einzusetzen lohnt. Dennoch, als Schulung für die eigene Positionierung und als interessantes historisches Dokument ist es allemal lesenswert!

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steph