Sarah Diehl (Hg.)
Brüste kriegen

Welchen Vorteil haben große Brüste, wenn dumme Jungs dumme Kommentare dazu abgeben? Was passiert, nachts, wenn alle Eltern schlafen? Warum hört mein Hund auf mich, aber nicht mein Körper?
Solche und ähnliche Fragen über das Brüstekriegen und den Krieg mit den Brüsten stellen sich Autorinnen in der von Sarah Diehl im Berliner Verbrecher Verlag herausgegebenen Anthologie Brüste kriegen. Sie versammelt unter anderem Zeichnungen von Kevin Blechdom, ein Interview mit Peaches, Erzählungen von Françoise Cactus oder der jüngst verstorbenen Tine Plesch. Käthe Kruse bespricht ihre Erfahrungen mit zwei pubertierenden Mädchen und Andrea Losch erzählt über den Umgang mit der Sexualität ihrer behinderten Tochter. Die Autorinnen berichten von dämlichen Tipps von Omas und Müttern, von anzüglichem Verhalten von Onkeln und Nachbarn und immer wieder geht es um Rollenerwartungen, um die scheinbare Notwendigkeit, sich weibliches Verhalten aneignen zu müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Alle Brüste scheinen die falschen zu sein. Sie kommen zu früh, zu spät, sie sind zu groß, zu klein. Eine vergnügliche wie schmerzhafte Reise in die Zeit, in der wir mit einer Realität, die Normalität genannt wird, umgehen mussten, plötzlich nicht mehr Kind, sondern Frau zu sein.

Charlotte Bristot