Ingrid Betancourt
Die Wut in meinem Herzen

Schauplatz Kolumbien. Zeitgeschichte. Wütend ist Ingrid Betancourt schon auf den ersten Seiten ihrer Autobiografie. (Selbst die Berge rund um Bogotá erheben sich in ihren Augen wütend.) Wut in ihrem Herzen trägt sie wegen der sozialen Ungerechtigkeit in ihrem Land, derer Beseitigung die korrupte Regierung selbst im Wege steht und statt der Interessen des verarmten Volkes nur die eigenen vertritt. Die Politikerin beschreibt ihren Lebensweg, ihren Kampf gegen die Korruption, die das ganze Land in einer Erstarrung hält. Drogenmafia und Korruption sind die einzigen funktionierenden Systeme des Landes. Menschen, die sich dagegenstellen,
werden gezielt beseitigt. Ingrid Betancourt ist in DiplomatInnenkreisen in Kolumbien und Frankreich aufgewachsen und hat schon als Kind politische Diskussionen mit im französischen Exil lebenden FreundInnen ihrer Eltern, wie Pablo Neruda und Gabriel García Marquéz, mit größtem Interesse verfolgt. Das oberflächliche Diplomatenleben war für sie und ihre Mutter unerträglich, da sie ihre Potenziale – auch durch ihre privilegierte gute Bildung – in der Veränderung der Situation im eigenen Land sehen, was in beiden Fällen die Trennung von ihren Kindern und Männern bedeutet. Das Buch endet mit Ingrids Ziel, für die
Präsidentschaft zu kandidieren, was revolutionäre Veränderungen für das Land bedeuten würde. Kurz nach Veröffentlichung des Buches wurde die Autorin von der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), der Guerilla, entführt, die sich erhofft, Ingrid gegen gefangen genommene FARC-Mitglieder
eintauschen zu können. Mittlerweile ist sie seit über drei Jahren in Gefangenschaft.

Veronika Mayr