Abendprogramm rampenfiber: DONNERSTAG

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EsRaP

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Einem Wortspiel verdankt sich der Name EsRap, der sich aus dem Vornamen der knapp 20jährigen Musikerin Esra und ihrer Liebe und Leidenschaft, dem Rap zusammensetzt. Was nicht nur im nämlichen Zusammenhang eine glückliche Fügung ist, denn auch für rampenfiber bietet EsRap als Openerin des Festivals eine gute Gelegenheit, das Thema unseres Festivals gleich in mehrfacher Hinsicht beispielhaft sichtbar zu machen: Als Musiker_in, als Musiker_in im HipHop und als Musiker_in im Hip Hop mit türkischen Background, der das Leben in Österreich auch nicht unbedingt erleichtert. Von diesen Erfahrungen können zwar viele ein Lied singen, aber EsRap hat dazu die passenden Sprüche parat. In ihren türkisch-deutschen Texten zwischen Rap und Poesie besingt sie ihren Alltag als Austro-Türkin und Neo-Wienerin, spricht über Liebe, Integration, Schule, Politik… keine Gewalt, keine Macho-Sprüche ist ihr Motto. Doch auch jenseits eines rampenfibrigen Repräsentationszwang überzeugt EsRap mit einer souverän selbstbewussten Haltung, eigensinnig wie kurz gestrickten, meist abrupt endenden Raps und einer Bühnenperformance gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder, die musikalische Genregrenzen verwischt und gängige Klischees – nicht nur von Maskulinität – konterkariert, wie spätestens bei der humorvoll-orientalischen Interpretation von „Alle meine Entchen“ deutlich wird.

EsRap – that’s Esra and her love and passion for rap. This fits not only as wordplay but also for rampenfiber which EsRap will open for us: She’s a musician, a HipHop-musician and she has a Turkish family background – a fact that doesn’t make life easier (not only) in Austria. Many people can tell you a thing or two about this – EsRap even has the suitable lyrics and beats. Topics are everyday life as Austrian-Turkish woman and Neo-Viennese, love, integration in society (or what the mainstream think this means), school, politics and many more. What you will definitely not find are violence and machismo. Her confident attitude is not only in a rampenfibrig context persuading. Her opinionated, short and precise raps as well as her performance on stage (with her little brother) blur the boundaries of genre and common stereotypes. Wait until you heard their oriental interpretation of “Alle meine Entchen”, German nursery rhyme!

Zum VIDEO von EsRaP: “AUSLÄNDER MIT VERGNÜGEN”

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Jolly Goods

Fast schon eine moderne Klassikerin im Rockbusiness ist das Zusammentreffen von Schlagzeug, Gitarre und Gesang, eingekocht auf eine Duo-Formation. Reduzierter ist kaum möglich, und seit 2003 reizen die Schwestern Tanja Pippi (Gitarre und Gesang) und Angy Lord (Schlagzeug) aus Deutschland dieses Spektrum nach allen Regeln der Kunst aus: Schreien, Knarren, Dröhnen, Krachen, „Noise und Hysterie“. 2007 erscheint ihr Debütalbum her.barium und mit dem Punkt nach dem her. wird nicht nur inhaltlich auf eine Gender-Thematik verwiesen, auch formal lassen sich die Riot Grrrl-Bezüge unschwer überhören. Wobei das vor allem medial beharrliche Betonen des Geschlechterrelevanz - „natürlich“ immer nur, wenn Frauen* Musik machen - den Schwestern manchmal schon ganz schön gegen den Strich geht. 2011 erscheint das Album walrus, etwas melancholischer und streckenweise von Piano, Orgel und Streichern begleitet – und der Musikexpress schreibt gleich: „Aus der stachligen Raupe ist ein wunderschöner Schmetterling geworden.“ Warum Schmetterlinge so eine beliebte Metapher für geniale Musiker_innen sind, wissen wir zwar nicht, finden aber, dass die beiden Schwestern an Stacheligkeit nichts verloren haben und freuen und auf den umwerfenden Flügel- bzw. Saitenschlag wilder Nachtfalter.

When two persons, a drum, a guitar and vocals meet it’s like a modern classic in rock business. Less is hardly possible and since 2003 Tanja Pippi (guitar and vocals) and Angy Lord (drums) max out this entire spectrum by every trick in the book. Their debut album her.barium was released in 2007 and the dot following “her” refers to gender topics in content as the sound does in form. But, as annoying as inevitable when women* make music, media coverage was almost all about gender and after the release of the second album walrus in 2011 the Musikexpresse even wrote something about “a thorny caterpillar” turning into “a gorgeous butterfly”. We don’t know why butterflies are such a popular metaphor for brilliant fe_male musicians but we are sure, that the sisters haven’t lost their thorniness!

Zu den VIDEOS von Jolly Goods: “TRY” und “IF I WERE A WOMAN”

 

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Noblesse Oblige

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Das Duo Noblesse Oblige wurde 2004 von dem deutschen Songwriter und Produzenten Sebastian Lee Philipp und der französischen Schauspielerin und Sängerin Valerie Renay in London gegründet. Sich in musikalische Kategorien einzuordnen, verweigern sie konsequent, vielleicht, weil die passenden schlicht noch nicht erfunden wurden. Wobei Noblesse Oblige gerne mit einer snobistisch-elitären Attitüde kokettieren wie Bandname und auch Titel ihres Debüt-Albums Privilege Entails Responsibility (2006 auf dem englischen Label Horseglue Records veröffentlicht) anklingen lassen. Und auch ihr zweites Album In Exile (auf dem Deutschen Label RepoRecords erschienen) ließe sich als biografischer Kommentar der 2008 nach Berlin gezogenen Königskinder lesen. 2010 erschien das 3. Album Malady. Musikalisch wie live konterkarieren sie jedoch einen allzu ernsthaften royalen Gestus, in dem sie sich absolut untadelig gebärden und sich gewiss keine Blöße geben wie jüngst englische Lords. Elektronische Beats werden da munter mit tanzbaren Melodien kombiniert und stylische Poplinien zu einem düster-dunklen Twist verquirlt. Oder wie es Rough Trade – der deutsche Indiemusik-Vertriebsriese – beschreibt: “Gwen Stefani and/or Patti Smith fronting the pistols if Sid and the boys had been a cold wave synth band”. Jedenfalls ein krönender Abschluss des ersten rampenfiber-Abends.

Noblesse Oblige was formed in London by French actress Valerie Renay and German songwriter and producer Sebastian Lee Philipp. They consequently defy any musical categorization, maybe because the fitting ones have not been invented yet. Noblesse Oblige coquet with a snobby and elitist attitude, as their band’s name and title of their debut album Privilege Entails Responsibility (released in 2006 on Horseglue Records) suggests that. And also the 2nd album of the Berlin-based duo In Exile could be read as a biographic commentary. In 2010 they released Malady, their 3rd album … so far. With their impeccable conduct and intoxicatingly provocative live performances they counteract an all too serious royal attitude while combining catchy electro beats, haunting melodies and stylish pop hooks with a dark twist. Or, like Rough Trade puts is: “Gwen Stefani and/or Patti Smith fronting the pistols if Sid and the boys had been a cold wave synth band”. At any rate a crowning finale for the first rampenfiber night.

Zum VIDEO von Noblesse Oblige: “THE GREAT ELECTRIFIER”

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