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ZU DEN GESCHLECHTERROLLEN DER STADTTAUBEN
Äußerlich sind sie kaum auseinander
zu halten: Weibliche und männliche
Tauben, wie sie auf den Straßen
zu beobachten sind, weisen gattungstypisch keinen Sexualdimorphismus
auf. Dieses Problem ließ im Jahr 1897 Gottlob Neumeister
in seinem Buch über Taubenzucht
verzweifelt klassische eschlechterrollenzuschreibungen
in die Tiere projizieren: „Der Taubenkenner
selbst wird nicht selten beim einzelnen Urteilabgeben über eine Taube getäuscht. In der Haltung
erscheint die Täubin etwas schmaler, dünner gegen den Täuber,
der eine etwas breitere, vollere Brust und ein kühneres, mutvolleres
Aussehen, einen scharfen Blick hat. In dem der Täubin liegt etwas Sanfteres.“ Was männlich ist, erkennt
man jedoch allenfalls am Verhalten:
Jene Tauben, die anderen unter Aufplustern, Drehen, Gurren, Schwanzfächern und sich Verbeugen
gierig hinterherbalzen sind mit Sicherheit Täuber. Gleichgeschlechtliche
Paare unter Tauben finden sich in der Zuchtpraxis, in der „gezielten Täubinnenpaarung“, wo der Täuber nur als Samenspender
gebraucht wird. Separat gehaltene
Weibchen bilden nach einiger Zeit Paare, die vom Züchter in Nistzellen
gesetzt werden. Dort zeigen sie Nistverhalten mit Schnäbeln und Nestbauen. Haben sie sich in Paarungshochstimmung gebracht, darf ein Männchen den sekundenkurzen „Tretakt“ vollziehen. Bei
gemischtgeschlechtlichen Paaren herrscht in der Betreuung des Nachwuchses Gleichberechtigung: Die Täuber übernehmen beim Brüten
zwar die kürzere Schicht, weisen
aber eine im Tierreich einzigartige
Besonderheit auf: Tauben sind die einzigen Tiere, bei denen auch der Täuber die Jungen „säugt“. Die topfenartige Kropfmilch wird von beiden Geschlechtern produziert und dient in den ersten Tagen zur Ernährung der Nestlinge.
Diana Duma
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