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ZERSTREITEN
Auch bei der guten Freundin kommt es vor: das Bedürfnis auf sie loszugehen, einem lustvollen Streit so richtig Tür und Tor zu öffnen, sei es um sich wieder als Individuum zu fühlen, das noch durch vieles von einer völligen Symbiose mit ihr getrennt ist, sei es um einfach Dampf abzulassen. Es gibt viele Gründe um sich zu zer-
streiten, und wenig Möglichkeiten dem Streit die nötige Dramatik zu verleihen bzw. muss frau schnell und auf eindrucksvolle Weise zeigen: jetzt ist Schluss mit lustig! Der frühen Sozialisation jedoch noch nicht vollends entkommen, die
Bilder von artig-adretten Mädchen und Burschen deren jugendliche Wildheit von ihren Müttern mit einem verliebten Lächeln kommentiert wurde, noch immer im Hinterkopf. Derlei Absurditäten erlebt in frühester Kindheit, verhinderten die im Volksschulalter bei Burschen so beliebte Möglichkeit einer Rauferei
oder einer Watschn die so manches
vereinfacht hätte. Dieser Option beraubt, mussten wir uns anders helfen. Ich kann mich sogar eines Instruments, um meiner Entrüstung und die geplante
Entwöhnung von der künftigen Ex-
Freundin in einem Akt zu vollziehen,
erinnern: „Ich setz mich weg!“ Ausgesprochen, musste Kind sich auch schon nach einem neuen Platz umsehen, ansonsten Gefahr laufend nicht ernst genommen zu werden, und im Streit schon mal in der ersten Runde den kürzeren zu ziehen. Die eigene Entschlossenheit
und die Brutalität der Handlung musste in Entschiedenheit ausgedrückt werden. Mathematik 2 und die Spatzenpost zusammenpackt, und schnur schtraks neben der Platz nehmend, die den gleichen Satz wahrscheinlich zwei Stunden später hört. Zwicken, raufen, watschn … das alles spielte sich nur im Kopf ab, und die Hand wurde erst dann erhoben wenn es hieß: „semma wieda guad!“?
Beate Hausbichler
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