Aussegehn und Stehenbleibn

Beim „Außegehn und Stehenbleibn“ handelt es sich um eine Verhaltensweise, die zunehmend bei älteren MitbürgerInnen zu beobachten ist.

Etwa in, oder besser, vor der Straßenbahn – ein sehr beliebter Ort für dieses Verbrechen – spielt sich das folgendermaßen ab: Meistens drei Stationen zu früh kämpft sich die Dame in voller Pelzmontur mit circa drei Einkaufstüten in jeder Hand und dem Dackel vulgo Asphaltwarze an der Leine in Richtung Ausstieg. Ich muss nicht erwähnen, dass bereits einige Opfer ihren Weg pflastern. Nun aber zum eigentlichen Verbrechen. Die Frau Pelz steigt mitsamt Dackel und Taschen aus und weil das jetzt so verwirrend für sie war, bleibt sie erst einmal stehen. Keine kommt an ihr vorbei. Ich trete ihr auf die Ferse, ein anderer steigt der Warze aufs Gnack. Wir beide müssen uns eine Stänkerei anhören. Warum kann der Ausstiegsbereich nicht sofort verlassen werden? Warum müssen die Leute erst einmal stehen bleiben und deppat schaun? Wo bin ich eigentlich? Wo is mei Hundi? Es sollte einen Eignungstest für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel geben. Womit die Verbrechensrate nicht gänzlich getilgt wäre, denn auch beim Aus-dem-Haus-Kommen sind diese Vergehen zu beobachten. Herr- und Damschaften, die mit blödem Hund und Einkaufstasche
mitten am Gehsteig stehen bleiben, sobald sie ihr Wohnhaus verlassen haben, und ewig nicht checken, dass ich den Gehsteig zum Gehen benutze und es vielleicht einmal eilig habe. Es gibt natürlich noch unzählige andere Tatorte: vorm Billa, und nicht zu vergessen die Rolltreppe. Letztere bringt die VerbrecherInnen so

Ute Springer