 |
2005 ist ein Gedenkjahr bzw. „Gedankenjahr“. Österreich „feiert“ in vereinnahmender, trauter Einigkeit aller Fraktionen das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945, die Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 und den EU-Beitritt 1995.
Zu diesem historischen Anlässen hat der katholische Regierungsfunk jede Menge Produktionen vorbereitet, welche die „unglaubliche“ Geschichte der 2. Republik zum Inhalt haben. Besonders für die „jungen Menschen“ damit sie „stolz“ sind auf „ihr Österreich“, und was es seit Kriegsende „alles erreicht“ hat, frei nach Monika Lindner; die Heimat großer Söhne, die nach 1945 wie Phönix aus der Asche stieg, und seine ganze Nazi-Vergangenheit einfach in der Asche vergaß.
Gerne wird vergessen, das ein Grundpfeiler des Staatsvertrages, die Moskauer Deklaration von 1943, den Opfermythos als Grund-
lage zur Bildung des souveränen Staates Österreich etablierte. Erst 1991 bekannte sich Österreich zur Mitverantwortung für den Holo-
caust.
Und der Staat Österreich übt sich noch immer hervorragend in Ver-
drängung und der schleppenden Bereitschaft zu Reparationszahlun-
gen und Wiedergutmachung. Viele Opfer wurden so lange hingehalten, bis sie altersbedingt starben und andere, wie die Frauen, die in Konzentrationslagern zur Prostitution gezwungen wurden, werden nicht einmal erwähnt.
Noch ein Jubiläum gilt es zu feiern. 5 Jahre blau-schwarze Koalition, 5 Jahre Demontage des Sozialstaates und Abgeordnete, die eigentlich nach dem Wiederbetätigungsgesetz judiziert werden sollten, Bundesräte die Deserteure als Kameradenmörder bezeichnen, während Staatsoberhäupter wenig überzeu-
genden Betroffenheitskult inszenieren und brav ihre Kränze abliefern. Österreich begeht auf seine höchst eigene Art das Gedankenjahr.
Alexa Jirez
|
|