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Der Schwerpunkt der aktuellen fiber dreht sich um den Themenbereich „Konkurrenz und Solidarität“ mit einem Fokus auf die konkreten Konkurrenzverhältnisse zwischen Frauen. Zur fiber-Kontroverse in der Galerie „Gabriele König“ am 16. Oktober 2004 in Wien 4 wurden diesmal keine Expertinnen geladen – die fiber-Redakteurinnen stellten sich selbst der Diskussion mit dem Publikum. Zusammengefasst und vertextet wurde die Kontroverse von Alexandra Policzer. Ulli: Als ich mir Gedanken gemacht habe, wie sich Konkurrenzverhalten und Neid unter Freundinnen äußern, da ist mir eingefallen, dass ich oft Sätze gehört hab wie: „Wow, was machst denn du nicht alles!“; „Wie bist du dazu wieder gekommen?“; Ich war mir nie ganz sicher, ob das als Lob gemeint war oder ob da doch nicht mehr Neid dahinter steckt. Aufgrund dessen, was ich gemacht hab, welche Informationen ich hab, die andere vielleicht nicht haben. Beate: Ich glaube, dass Informationen eine extrem wichtige Ressource sind, die man z. B. über so ein Projekt wie fiber bekommt, also wenn du mir jetzt etwas erzählen würdest, was du tust, dann wäre meine Reaktion wahrscheinlich auch: „Woher hast du die Info?“ Alexa: Das mit den Informationen ist ein heikles Thema, weil in verschiedenen Projekten Informationen einen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Durch das Haben oder Nichthaben von Informationen entsteht automatisch eine Hierarchie, die schwer zu vermeiden ist, und dadurch entsteht Konkurrenzdruck. Ich weiß aber auch nicht, wie sich das vermeiden lässt, vielleicht indem man sich bemüht, Informationen immer gerecht auf alle aufzuteilen? Publikum: Es geht bei mir meistens um Jobs – Ausstellungsmöglichkeiten, Projekte, Gruppen, die sich bilden, und ich freue mich, wenn ich von anderen eingeladen und informiert werde. Andererseits – wenn ich selber was weiß, sag ich’s meistens weiter, wenn ich Leute irgendwo treffe. Aber ich setze mich jetzt auch nicht extra hin und schicke allen FreundInnen und Bekannten ein E-Mail: „Es gibt was Neues“. Steph: Es geht bei solchen Informationen oft um knappe Ressourcen. Schade ich mir damit selber, wenn ich Information weitergebe? Bei Jobs z. B. könnte die Freundin, die jetzt diese Information hat, eine Konkurrentin sein. Frauen entziehen sich diesen Konkurrenzverhältnissen oft. Wenn bekannt ist, es ist ein Job ausgeschrieben und eine Freundin hat sich dafür beworben, bewirbt man sich häufig selber nicht. Das hängt einfach mit dieser typischen Genderrolle zusammen, dass sich Frauen zurücknehmen, bescheiden sein oder nicht um etwas kämpfen sollen. Das ist mitunter schon so verinnerlicht, dass man sich dieser Entscheidung, wer jetzt besser ist, nicht aussetzt. Man stellt sich dem gar nicht. Alexa: Das kann es nicht sein, dass Frauen vor lauter Angst, in machtkorrumpierte Konkurrenzverhältnisse zu treten, das Feld dann überhaupt räumen. Hanna: Wenn Stellen ausgeschrieben sind und es sind zehn Qualifikationen gefordert und eine Frau erfüllt auch nur eine Kategorie nicht, bewirbt sie sich nicht. Das ist bei Männern nicht der Fall. Ich weiß nicht, ob sie viel selbstbewusster mit sich umgehen oder wie man das benennen kann. Nina: Eine Frage, die sich bei fiber auch stellt, ist, wie oder ob wir uns von anderen Projekten abgrenzen wollen. Ich für meinen Teil erachte es als legitim, dass wir uns nicht mit jedem Projekt solidarisieren, das sich einen Hauch von Feminismus gibt. Es muss auch legitim sein, dass man sein eigenes Profil entwickelt. Und es kann zwar sein, dass im Hintergrund gemeinsame Interessen bestehen, aber es muss auch möglich sein, dass wir als eigenständiges Projekt auftreten können, ohne gleich subsumiert zu werden unter zwanzig anderen feministischen Projekten, die unter Umständen alle ganz etwas anderes machen. Publikum: In welcher Form ist euch das passiert, dieses Subsumiert-Werden? Beate: Es kann schon passieren, dass man bei einer Veranstaltung den Raum mit jemandem teilt und bei Problemen dann das Argument „sei nicht so unsolidarisch, wir wollen ja eh alle dasselbe“ zu hören bekommt. Und das ist im ersten Moment schon ein Totschlag. Bei dem Thema „Professionalisierung“ von unbezahlter/ehrenamtlicher Arbeit und der eigenen Geringschätzung dieser entflammt die Diskussion erneut: Publikum: Ich find es ur schrecklich, wenn man sagt, ich will mich nicht verkaufen, weil man bei einer Sache Geld verdienen kann. Ich kenn das nur von Projekten, da ist man gewohnt, dass man nichts oder wenig bekommt und dann gibt’s die Gefahr, dass man in dieser Schiene bleibt „meine Arbeit macht mir Spaß, aber sie ist vielleicht nicht so viel wert“. Das ist wieder diese Trennung von den zwei Welten, die eine Welt, das mach ich für Geld, das ist mein Broterwerbsjob, da leg ich meine Seele nicht hinein, dafür hab ich nachher die Freiheit, die Sachen zu machen, die ich machen will. Steph: Vielleicht spielt da schon auch ein bisschen die Überlegung mit, dass Arbeit schon als Lohnarbeit definiert wird, die sich im Normalfall nicht mit meinen persönlichen Interessen deckt. Es ist ein völlig anderes Verhältnis als etwas, das ich als unbezahlte Arbeit tue. Da spiegeln sich auch andere strukturelle Verhältnisse wider. Noch dazu ist fiber ja nicht nur eine Zeitung, es ist auch ein politisches Projekt, da sind halt Abgrenzungen notwendig. Publikum: Aber ist das dann nicht genau die Angst, von der du vorhin gesprochen hast, ja nicht hinausgehen, ja nicht in den Konkurrenzkampf? Publikum: Das gilt nicht nur für euch, das gilt auch für viele Projekte und für viele Frauen, diese Fragen: „Verlangen wir jetzt Eintritt, lassen wir uns subventionieren, werden Mitarbeiter bezahlt?“ Es gilt für viele Projekte festzulegen, wie weit ist das spezialisiertes Hobby, absolute Leidenschaft – sich selbst bewerten zu lassen oder sich selbst einzuordnen in der Gesellschaft, in der Geld ein Ausdruck einer Wertschätzung ist. Hanna: Konkurrenz wird ja meistens als destruktives Wort begriffen, da es meistens darum geht, Leute auszubooten oder zu „vernichten“, im schlimmsten Fall. Konkurrenz kann aber auch in die andere Richtung gehen, sie kann inspirierend und anregend sein. Beate: Ich finde, dass diese Begriffe wie „ausbooten“ und „Falschheit“ Frauen zugeschrieben werden, die in Konkurrenzsituationen geraten. Mein Eindruck ist, dass es für Männer möglich zu sein scheint, den oder die KonkurrentIn nicht gleich hassen zu müssen. In Fernsehserien zum Beispiel wird die, mit der konkurriert wird, auch gehasst und die, mit der man solidarisch ist, muss man lieben. Publikum: Meine Erfahrung ist, dass Frauen einer doppelten Konkurrenz ausgesetzt sind, nämlich den Männern entsprechen zu sollen oder zu müssen und sich unter Frauen behaupten zu können. Das Problem haben Männer weniger. Nina: Es wird auch dadurch erschwert, dass die Ressourcen, die zur Verfügung stehen, seien es Jobs oder Projekte oder Finanzierungen, begrenzt sind. Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, dass irgendein Typ den Job kriegen wird. Es hat diese ökonomische Basis im Hintergrund. Alexa: Für mich stellt sich die Frage, was sinnvoller ist: Sich Alternativen zu überlegen zu diesem Leistungsdruck und den Konkurrenzverhältnissen oder man sagt: „Ja, ich mach das jetzt und versuche eine Position zu bekommen, wo ich dann Frauen unterstützen könnte oder Frauennetzwerke bilden kann.“ Alexandra: Ich finde, Konkurrenz wäre etwas, das man auch lernen sollte. Ich bemerke oft, wenn Männer um irgendetwas konkurrieren, machen sie es offener und danach ist niemand böse, wenn der eine den Job bekommt oder was auch immer – mann sagt es halt offen. Steph: Das ist die Frage, die sich stellt: Ist das die Alternative, ein Annähern ans männlich erlernte Verhalten oder was gibt es für Alternativen, mit Konkurrenz positiv umzugehen? Kapituliert man vor diesen Verhältnissen? Es ist ja eine Konkurrenzgesellschaft und wir müssen mit diesen Mechanismen umgehen. Ich halte es für eine Illusion, „alternative“ Netzwerke aufzubauen, ich glaube, dass man damit dem Problem ausweicht. Es gibt schon Strategien damit umzugehen, im kritischen Sinne. Das ist eine grundsätzliche Frage: Gibt’s ein Außerhalb des Systems? Eine provokante These ist zu sagen, Frauennetzwerke sind auch nur eine Strategie, sich einen Konkurrenzvorteil zu verschaffen. Publikum: Männernetzwerke gibt es oder hat es immer gegeben. Warum keine Frauennetzwerke? Alexa: Die Männerseilschaften funktionieren reibungslos im Hintergrund, während Frauennetzwerke immer so das Bedürfnis verspüren, sich als Frauennetzwerke zu definieren. Die Frage ist, warum das so ist und ob das sinnvoll ist.0 Beate: Mir fällt auf, dass es Netzwerke gibt, wo man den einen oder anderen Namen öfter hört. Dass es Frauen gibt, die mehr und welche, die weniger davon haben. Ich glaub nicht, dass da totale Solidarität herrscht. Da gibt’s Mechanismen, wo eine mehr Chancen hat und die andere weniger. Männernetzwerke sind nicht so klar definiert, die gibt’s, ohne dass sie so benannt sind. Ulli: Es hängt davon ab, wie ich mit meinen Ressourcen umgehe oder mit den Ressourcen der anderen. Wenn jede einen Teil von dem, was sie weiß, hergibt, entsteht ein Pool, an dem dann jede in einem Frauennetzwerk teilhaben kann. Natürlich muss es immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Publikum: Mich beunruhigt der Gedanke, mich so auf Frauennetzwerke einzuschießen, weil ich immer diese Beispiele vor mir sehe, zwei Freunde von mir in meinem Umfeld, die sich innerhalb von zwei Sekunden irgendwelche Jobs checken. Neulich ist konkret diese Situation gewesen, und ich sag: „Wow, ich will auch so einen Job!“ und der andere dreht sich um und sagt: „Sag doch nicht immer: 'Ich will, ich will, ich will!’“
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