Elfriede Jelinek bekam heuer den Literaturnobelpreis.

Seit vielen Jahren wird sie in Österreich von konservativen Kräften als „persona non grata“ instrumentalisiert, um eine widerwärtige Diskussion über „entartete Kunst“ aufzuwärmen. Nach der internationalen Auszeichnung, die Jelinek als erste Österreicherin entgegennahm, spalten sich die ehemaligen Verunglimpfer in zwei Lager:

Die, die es plötzlich schon immer gewusst haben, wie der ehemalige „schneeweiße New-Wave-Schizo-Punk“ und nunmehr Kunststaatssekretär Franz Morak, der Jelineks Erfolg der österreichischen, sprich, seiner Kunstförderpolitik zuschreibt 1 , und die Unverbesserlichen, wie der Realität völlig entrückte, verkannte „Krone“-Dichter Wolf Martinek alias Wolf Martin, der Jelinek auf Dreck reimt. Da nützt es nichts, dass Jelinek schon vorab abschwächt, dass Peter Handke den Preis „mehr verdient“ hätte, und sie ihn schließlich „als Frau“ entgegennimmt und somit ihre künstlerische Fähigkeit einer symbolischen Geste unterordnet.

Elfriede Jelinek hat die innere Immigration angetreten. Andererseits wird sie durch diesen Preis geradezu eine links-feministische Ikone von großem öffentlichen Interesse. Ihr literarisches Werk ist beachtlich. Die verwebte Struktur ihrer Texte verlangt den RezipientInnen einiges ab. Der musikalische Fluss ihrer Textinszenierung ist eine wichtige Bedeutungsebene in ihrer Kunst. Sie ist ausgebildete Organistin und arbeitet auch mit der Komponistin Olga Neuwirth zusammen. Seit 1996 veröffentlicht Jelinek Texte und Fotos auf ihrer Homepage (www.elfriedejelinek.com), mit dem Titel „Elfriedes Fotoalbum“. Die Themen reichen von aktuellen politischen kulturellen Geschehnissen über Theatertexte und Kunstrezensionen bis zu humorvollen Hommagen an Jelineks Haustier – Hund Floppy.

Judith Weissinger

Fußnote

1 Jelinek hat eine Anstellung beim Rowohlt Verlag und lebte trotz der „großartigen“ staatlichen Kunstförderungspolitik in finanziell ungesicherten Verhältnissen.