Aktuelles Heft: fiber #4

Petting

Lang, lang ists her, dass ich in Stunden unheimlicher Begierde die im untersten Eck meiner Schreibtischlade versteckten Bravo-Hefte hervorkramte, um heimlich die in zartfleischrosa getauchten "Liebe, Sex und Zärtlichkeit"-Seiten einer konzentrierten Lektüre zu unterziehen. Mit weit aufgerissenen Augen und Gänsehaut am Rücken definierte ich "Petting", sowie das Phänomen "Cliquen" insgeheim als bundesdeutsches Phänomene. Was Petting denn nun genau ist, wurde nie ganz klar, nur eines wurde ganz offensichtlich: Petting und das "ersten Mal" verhält sich als Kontiuum und wobei letzteres die unvermeidliche Folge des ersteren ist - auch wenn das Dr. Sommerteam betonte, sich "nicht drängen zu lassen". Der Qualitätsunterschied zwischen Kuscheln, Streicheln, Zärtlichsein und "richtigem Sex"wurde somit implizit klar.
Die ausführliche Recherche im Gebiet Petting bietet lediglich Bausteine der Beschreibung: Zungenküsse, Schmusen, Streicheln, Saugen, Angreifen und Aneinanderkuscheln oder -reiben, es scheint alles erlaubt, nur eines nicht: der Koitus. Der Differenz zwischen Petting und Sex liegt also in der Benutzung und dem Zusammentreffen bestimmter Körperteile als in der Intensität der Situation. Somit: Als Anängerin oraler Gelüste bin ich für ein inflationäres Auflebenlassen und Neubesiedeln des Terrains Petting ohne Rücksichtnahme auf Altersbeschränkungen oder Qualitätsnormen - nur vielleicht unter einem besseren Namen?

Autorin: dragica