Petting
Lang,
lang ists her, dass ich in Stunden unheimlicher Begierde die im
untersten Eck meiner Schreibtischlade versteckten Bravo-Hefte
hervorkramte, um heimlich die in zartfleischrosa getauchten "Liebe,
Sex und Zärtlichkeit"-Seiten einer konzentrierten Lektüre
zu unterziehen. Mit weit aufgerissenen Augen und Gänsehaut
am Rücken definierte ich "Petting", sowie das Phänomen
"Cliquen" insgeheim als bundesdeutsches Phänomene.
Was Petting denn nun genau ist, wurde nie ganz klar, nur eines
wurde ganz offensichtlich: Petting und das "ersten Mal"
verhält sich als Kontiuum und wobei letzteres die unvermeidliche
Folge des ersteren ist - auch wenn das Dr. Sommerteam betonte,
sich "nicht drängen zu lassen". Der Qualitätsunterschied
zwischen Kuscheln, Streicheln, Zärtlichsein und "richtigem
Sex"wurde somit implizit klar.
Die ausführliche Recherche im Gebiet Petting bietet lediglich
Bausteine der Beschreibung: Zungenküsse, Schmusen, Streicheln,
Saugen, Angreifen und Aneinanderkuscheln oder -reiben, es scheint
alles erlaubt, nur eines nicht: der Koitus. Der Differenz zwischen
Petting und Sex liegt also in der Benutzung und dem Zusammentreffen
bestimmter Körperteile als in der Intensität der Situation.
Somit: Als Anängerin oraler Gelüste bin ich für
ein inflationäres Auflebenlassen und Neubesiedeln des Terrains
Petting ohne Rücksichtnahme auf Altersbeschränkungen
oder Qualitätsnormen - nur vielleicht unter einem besseren
Namen?
Autorin: dragica