Die
Männer mit der Bauchfalte
Das
Kaiserpinguinmännchen scheint ein ziehmlicher Loser im herkömmlichen
Rollenverständnis zu sein. Nicht nur, dass er in der Fachwelt
als flugunfähiger Vogel bezeichnet wird, er baut auch kein
Nest und legt schon gar keinen Wert darauf, irgendein Revier zu
verteidigen. Er sucht er sich ein Weibchen. Ein für allemal.
Und das im Alter von 3-6 Jahren. Das könnte der Frau Gehrer
ganz gut gefallen. Vielleicht läßt sich die Ministerin
für eine Reise in die Antarktis erwärmen. Allerdings
hat die Frau Volksschullehrerin vielleicht keine Freude mit der
Aufgabenteilung in punkto Kinderkriegen bei den Kaiserpinguinen.
Das Weibchen legt ein Ei und verabschiedet sich um zwei Monate
lang Fische zu fressen. Das Männchen übernimmt das Ei
und legt es in seine Bauchfalte. Diese Fettfalte ist dermaßen
weit unter der Gürtellinie, dass das Ei auf den Füßen
aufliegt und vom Fett bedeckt wird. Und weil das Brüten mit
anderen Strohwitwern mehr Spaß macht, trifft mann sich in
der Brutkolonie zwecks Erfahrungsaustausch oder so. Und weil das
unheimlich verbindet, halten die verlassenen Kaiserpinguine zusammen
wie Pech und Schwefel: Damit niemand frieren muss, drängen
sie sich eng aneienander und wechseln regelmäßig die
Position, so dass jeder einmal am Rand und einmal im wärmeren
Inneren der Kolonie sich und sein Ei wärmt. Und weil solche
Männerrunden zum Nachdenken anregen, wurde beschlossen, dass
die Kinder doch ein wenig abgehärtet werden sollten und lassen
sie mitten im härtesten Winter (Juli, -40°) schlüpfen.
Mit letzten Kräften sind die tapferen Strohwitwer gerade
noch in der Lage den Küken eine milchige Substanz als erste
Mahlzeit anzubieten. Mit 3kg unverdautem Fisch im Magen kommt
die Kaiserpinguinin nach Hause und zeigt dem Küken, was eine
richtige Mahlzeit ist. Und weil Männer ohne Bauchfalten nicht
zu gebrauchen sind, werden sie jetzt zum Reserven auffüllen
ins Meer geschickt. Dann sorgen beide Elternteile gemeinsam für
das Küken. Abwechselnd wird gefüttert oder Futter gesucht.
Nach sechs Monaten haben die Kleinen genug von der elterlichen
Fürsorge und verlassen kurzerhand die Heimat. Sie kehren
erst nach Jahren zurück. Dann wird wohl die eine oder andere
Kindergartenfreundschaft beim Bauchfaltenwerfen oder Fische sammeln
aufgefrischt.
Autorin:
Ute Springer