
![]() |
"Wenn
überhaupt, dann als Schneehase" Wien, 20. Februar 2003. Es ist die 39 Solidaritätsveranstaltung im Depot. In Erweiterung des Konzepts der kontroverse als öffentliches Forum des Diskurses, Austauschs und Verhandelns feministischer Positionen zu Angelegenheiten im Bereich Popkultur und Feminismus, hat fiber vier Frauen geladen, um über verschiedene Strategien und Positionen zu einem feministischen Selbstverständnis von Künstlerinnen und den damit verbundenen (möglichen) Konsequenzen zu diskutieren. Was eröffnet das Attribut "feministisch" und welche Anordnungen zieht es nach sich? Der Einladung gefolgt und den Abend mit inspirierenden Interpretationen und Stellungnahmen bereichert haben Barbara Kraus, Performerin, Barbara Hollendonner, Kunststudentin, Nina Wotapka, Konzeptkünstlerin, sowie Karin Pernegger, freischaffende Kuratorin. Moderiert wurde die kontroverse von Sabine Sölkner und Lisa Max, zusammengefasst und vertextet von Kathi Peschta. Barbara Kraus
hat Johnny erfunden. Wenn Veranstaltungen anstehen, die männlich
dominiert sind, die sie als Frau nicht gerne besucht, tritt ihr Alter
Ego auf den Plan, in Form einer paradoxen Intervention. Dazu ist die Verkleidung
aber nicht mehr zwingend notwendig. Es geht ihr darum, Johnnys Energie
anzuzapfen, durch Aneignung der männlichen Gesten diese zu entlarven
und nutzbar zu machen. Eine praktikable Möglichkeit zu irritieren,
eine Grenze zu überschreiten, die eine Wirklichkeit beschreibt, die
nur durch patriachale Regeln definiert wurde, deren Aufhebung mit solch
einfachen, spielerisch erlernbaren Mitteln zwar mitunter Ablehnung hervorruft,
jedoch manches mal sogar einen Denkprozess bei diversen Artverwandten
auslöst. Ist also mit dem Begriff Feminismus unweigerlich die negative Konsequenz verbunden, sobald man ihn ausspricht? Wird damit nicht ein politisches Instrument aus der Hand gegeben, weil es ja auch eine Form der Organisation, ein Bekenntnis, ein Anknüpfungspunkt ist? Spricht aus der Diskussion Desillusion, ist der Begriff Feminismus an sich durch kapitalistische Ausbeutung unverwendbar geworden? Durch die rigiden Machtverhältnisse und das extreme Leistungsdenken wurde er von der Außenwelt in ein Machtinstrument umgewandelt. Karin Pernegger: "Es ist ein Haifischteich" Daraufhin ertönt ein Zwischenruf aus dem Publikum - Positives wird eingefordert: Feminismus ist immer noch Instrumentarium, sich als Gegenkultur zu organisieren. Strategien wie gegenseitige Unterstützung, das Geben und Annehmen konstruktiver Kritik und das Arbeiten gegen Mythen, wie jene vom "einsamen Künstlergenie" werden angeführt. Frauensolidarität in vernetzten Systemen könne das vorhandene infiltrieren und von innen heraus verändern. Insgesamt eine höchst spannende Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen. Durch diesen Abend wurde ein Teil der in ihm beinhalteten Forderungen nach einer Neudefinition des Begriffs Feminismus erfüllt, der sich aber einer allgemeinen Gültigkeit verwehrt da er per se individuell ist. Und deswegen noch endloser "kontroversen" innerhalb von fiber bedarf, die mit Spannung verfolgt werden dürfen. Von Kunst zu leben, heißt, sie ihrer Freiheit zu berauben! Autorin: Kathi Peschta |
|