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Die Rabaukin
gibt sich die Ehre eine Komplizin vorzustellen:
die Charmoese [char'mø:ze]
... ist nicht böse, wie der Name schon sagt, sondern äußerst
charmant = "anmutig, liebenswürdig, bezaubernd". Die Recherche
im Duden der Etymologie und Fremdwörter läßt wissen, dass
es im 18. Jahrhundert, währenddessen aus dem Französischen der
charme hervorgebracht wurde, offensichtlich die Männer waren, denen
diese hehren Eigenschaften oblagen. Auch Musik spielte eine Rolle - "Gesang,
Lied, Gedicht, Zauberspruch, Zauberformel", so süß konnte
dER Charme klingen. Die Ausführung im modernen Sprachgebrauch obliegt
dem "Mann, der mit gezieltem Charme [Frauen] für sich einzunehmen
vermag." Wer also ist sie? Sie ist frei, da unbeschrieben.
"Charmeuse [...'mø:ze] die; -: maschenfeste Wirkware aus synthetischen
Fasern."
Die Charmeuse hat ihre Maschen aus Kunst und Künstlichkeit. Sie spielt,
verwebt, verwickelt ... tricky Charmoese. Ihre Identität ist keine
Ableitung eines männlichen Ursprungskonstrukts, sondern steht nur
für sich - dank dem Französischen, das - wie auch andere romanische
Sprachen - die weibliche Endung nicht von einem männlichen Anfang
abhängig macht.1
Die angedichtete Charmeurin kennt sie nur als eingenommene Gattin des
schon oben genannten Herrn. Nicht um die Burg! - da bleibt sie lieber
ungebunden, aber freigiebig, großmütig.
Sie hat Charme und ... vieles mehr. Zwinkert mit ihren Lippen und legt
hinterfotzig Brände. Niemand ist's gewesen, denn wer kann sie rufen?
Ihr Name gehört nur ihr. Sie legt sich nicht fest, nur in die Sonne,
die sie sich genüsslich faul auf den Bauch scheinen läßt.
"Ätsch", schmatzt sie nass und rot. Der Stoff aus dem die
Träume sind ... Warum organisch? Wer sagt "biologistisch! -
primäres Geschlechtsmerkmal"? Warum nicht rote feste Wolle -
"Wirkware", aber immer wieder auflösbar, immer wieder neu
verstrickbar - in neuen Formen und Mustern immer wieder wirkend, aber
niemals wahr, nicht wahr?
Autorin: Nina Stastný
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1) Gedankt sei hier Judith Götz für den Hinweis
durch ihren wunderbarem Artikel "Motion und Morphem oder unser alltäglicher
Sprachgebrauch" Unitat, Nr. 1 März/April 2003 und Dorel Coban
für die Inspiration.
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