Bis in Arsch.

Es dauert. Bis die Speise den Weg vom Mund in die Speiseröhre findet. Dann runter in den Magen, dort Zwischenlagerung und Verwertung, sodann weiter in den Darm. Endloses Geschlängel. Und dann raus durch den Sphinkter. Oder eben nicht. Oder zu schnell. Oder sowohl als auch. Oder Spompernadeln in Windform.

Ergo: Die Ausscheidung ist ein komplexes Gebiet. Oft funktioniert sie. Oft auch nicht.
Normal ist drei mal täglich bis alle drei Tage einmal kacken. Ist es weniger wird von Verstopfung gesprochen. Obstipation bedeutet das gleiche, klingt aber vielleicht etwas weniger banal, die Konnotation mit Obst macht die Sache vielleicht kurzfristig etwas erfreulicher. Fällt es ganz schnell und oft durch: Durchfall - schöner, mit geradezu poetischem Klang: Diarrhöe.
Angenehm ist trotzdem anders.

Die Ausscheidung von Kot stellt Anforderungen ans Leben generell:
Als Kleinkind ist es geradezu die Meisterprüfung zum guten Kind, die Kontrolle über den Schließmuskel zu erlangen und somit Respekt und Anerkennung zu bekommen.
Etwas später verursachen Liebeskummer und Prüfungsstress bisweilen ungeahnte Klobesuche und verlangen Flexibilität, Souveränität und Einfallsreichtum in der jeweiligen Situation.
Und dann, noch später, gibt der Sphinkter unter Umständen w.o. und es muss wieder von vorne anfangen werden. Das ist dann Inkontinenz. D. h. jene Mechanismen, die als Kind mühsam eingelernt wurden, sind verschwunden und es wird ohne Kontrolle geschissen. Dann gibt's ebenfalls Windelhosen. Kontrollverlust kann lustvoller sein.

Wir sehen: Es gäbe genug Ansatzpunkte, um der Verdauung und ihren Folgen in den verschiedensten Konsistenzen den gebührenden Stellenwert in der Kommunikation einzuräumen. Warum also unsere Nachbarn nicht nach der werten Verdauung fragen? Sie wären eventuell froh, darüber erzählen zu können.

Autorin: Sophie Meingassner