it's the tits! www.ampnet.co.uk


Eines Abends, eigentlich war ich auf der Suche nach Konzertfotos, entdeckte ich auf hochinteressanten Umwegen durch die Londoner Internetszene www.ampnet.co.uk. Mein Interesse war sogleich geweckt, da Miss AMP, die Urheberin der Seite, mir bereits als Schreiberin des grossartigen britischen Musikmagazins Careless Talk Costs Lives bekannt war, und nach der Lektüre eines für mich mittlerweile fast legendären Artikels über perfektes weibliches im-Stehen-Pinkeln war ihr Fanzine AMP aus meiner Favoritenliste nicht mehr wegzudenken.

Miss AMP, im wirklichen Leben Anne-Marie, schreibt zur Finanzierung ihrer Existenz nach eigenen Angaben "blödes Zeug für alle, die mich bezahlen, unter anderem Bizarre, The Face und Careless Talk". Dieses sich offensichtlich sehr gut verkaufende "blöde Zeug" findet sich neben anderen Artikeln, die aus allen popkulturell geprägten Lebensbereichen stammen und immer dem persönlichen Blickwinkel der AutorInnen folgen, in ihrem Webzine. AMP enthält ausserdem ein ab und zu geekig - frustriertes Diary sowie ein höchst unterhaltsames Unterblog mit in unregelmässigen Zeitabständen veröffentlichten Sammlungen obskurer Links. Alle Seiten sind optisch eher unaufdringlich, schlichtes Weiss und eine kleine Portion von Pinktönen dominieren. Auch mag die im Weblog-Stil gehaltene Frontpage ErstbesucherInnen zunächst ein wenig unübersichtlich erscheinen, auf den zweiten Blick vermögen jedoch viele kleine Details und Illustrationen die Aufmerksamkeit auf einzelne Beiträge zu lenken.

Wie aus Anne-Marie Miss AMP wurde, erfuhr ich, nachdem ein geplantes Treffen durch die Tücken der öffentlichen Verkehrsmittel Londons vereiteltelt wurde, auf dem elektronischen Postweg. Nachdem sie als Collegeabsolventin für kurze Zeit als Assistentin bei einem Verlag gearbeitet hatte ("it bored the tits right off my chest") wurde ihr klar, dass sie ein eigenes Lebens- und Arbeitskonzept entwickeln würde. Obgleich sie sich durch die Riot Grrrl Bewegung der frühern 90er Jahre und Hefte wie Girlfrenzy, Unskinny und Rollerderby inspiriert fühlte, schien ihr die Idee, ein eigenes Magazin zu erfinden, zunächst dennoch abwegig. "Zeitschriften waren für mich etwas, das von reichen Leuten gemacht wurde, nicht von schüchternen Mädchen in ihren Schlafzimmern..." 1998 begann sie dann aber doch, ihr Fanzine AMP in kopierter, und später in gedruckter Form herauszugeben. Anfang '99 kam das Webzine dazu, erreichte neues Publikum und bald hatte Miss AMP sich sowohl als Schreiberin etabliert, als auch diverse Jobs als Community Manager für andere Websites erhalten.
Was bedeutet das Internet für sie? "Unlimited communication, innit. 99 schien mir das alles sehr revolutionär, zu sehen, wie junge Mädchen im ganzen Land abseits der Massenmedien miteinander kommunizierten. Das Netz ist ideal für SchreiberInnen. Communities beizutreten und (seine) die eigene Argumentationsfähigkeit auszubauen ist die beste Methode, um sich von einem langweiligen Job abzulenken. Trotz aller Nebenwirkungen, die das Internet auf unser soziales Leben haben kann, wäre ich ohne es vermutlich noch immer arbeitslos und daher liebe ich es. Mich interessiert auch sehr, wie Menschen, besonders Frauen, Gender online präsentieren."

Wie Miss AMP das Internet nutzt, ist auf www.ampnet.co.uk zu lesen.

Autorin: Lisa Max

 

noch nicht verfügbar! noch nicht verfügbar!