Heft: fiber #1

Interview mit Toni Transit von den Kingz of Berlin von Iris Weißenböck und Sushila Mesquita

Die Kingz of Berlin sind eine offene Drag King Performance Group, die sich 2001 über die Mailingliste einer Homepage (www.dragkingdom.de) kennen gelernt hat. Neben ihren Auftritten bei den unterschiedlichsten Anlässen, bieten die Kingz of Berlin auch Drag King Workshops für "EinsteigerInnen" an. In Wien wird Anfang März ein Termin vom HomoBiTrans-Referat der ÖH Wien organisiert. Information und Anmeldung unter: homobitrans@oeh.ac.at

fiber: Wie ist Euer Zugang zu der Art von Männlichkeit, die ihr auf der Bühne verkörpert?

Toni Transit: Wir wollen sicher nicht Männer sein weil das cooler ist, oder so, oder uns verhalten wie der Macho auf der Straße, sondern es hat viel mit Spiel und Ironie zu tun und wenn wir jetzt die Backstreetboys nach tanzen, dann sind das sicher nicht unsere Vorbilder, oder das, was wir uns wirklich gerne anhören. Es gibt auch andere Showkonzepte- dadurch, daß wir viel tanzen und nicht reden auf der Bühne können wir nicht auch noch erklärende Botschaften beilegen, sondern müssen das den Gedanken der Leute selber überlassen.

f: Macht ihr in Eurer "Verwandlung" bei der "Kostümierung" halt, bzw. gibt es eine Auseinandersetzung mit Transsexualität und, wenn ja, wie sieht sie aus?

T: In unser Gruppe- also die 7 Leute, die jetzt zusammen auftreten- sind die Selbstdefinitionen schon ganz unterschiedlich. Es gibt die Butch, die "Normalfrau", die Transgender-Leute und zwei, die sich eher in Richtung Trans-Mann bewegen und Testosteron nehmen. Wir sind da ganz offen und bewegen uns eher zwischen den Szenen.
Drag King ist halt nicht Trans-Mann und umgekehrt- nicht jeder Trans-Mann interessiert sich für Drag Kings und nicht jeder Drag King interessiert sich für Transsexualität. Es gibt Überschneidungen und man kann zusammen was machen oder auch nicht, aber wichtig ist, daß die Leute anfangen, mit einander zu sprechen.

f: Läßt sich das Konzept von Drag auch in andere Richtungen auszuweiten?

T: Das tolle an Drag ist ja, daß man einfach jemand anderes sein kann, das Spiel, ob jetzt auf der Bühne oder zu Hause, sich ganz anders zu machen als sonst. Schminke und Perücken machen mir sowieso Spaß, und da sind die Grenzen ja nicht durch einen "Geschlechtswechsel" erreicht...Man kann ja auch etwas Nichtmenschliches werden- Außerirdische, Tiere, etc.. Oder man kann z.B. seine "Rasse" überschreiten. Aber bei der Darstellung von z.B. AfroamerikanerInnen ist es eben nicht damit getan, sich das Gesicht schwarz zu malen- man muß sich überlegen, was man da tut. Und wie man da welche Klischees reproduziert, welche Rassismen man aufbrechen kann, indem man sie übertreibt oder Erwartungen irritiert. Aber das ist schwierig weil es da keine Diskussion darüber gibt, bis jetzt jedenfalls. Es wird wenig gemacht und nie besprochen, was mit Musik von nichteuropäischen KünstlerInnen z.B. ist- ich bin mir etwas unsicher: ob ich sie einfach nehme - und quasi als Weiße/r stehle-, oder ob ich das Outfit ändere und was das dann soll...Da denk ich gerade drüber nach...

f: Siehst du in Euren Auftritten auch einen politischen Aspekt?

T: Es mischt sich der Spaß, mit den Jungs etwas zu machen und diese Tanzauftritte zu haben, mit einem politischen Anspruch, der zwar nicht immer so explizit voran getragen wird, den wir aber als Hintergrund immer dabei haben: wir möchten erstens mal, daß jeder und jede so sein kann, wie er oder sie will, wir möchten, daß es Möglichkeiten gibt, auszudrücken, was sonst vielleicht nicht so leicht möglich ist und lehnen Regeln wie: "eine Lesbe muß so oder so sein, das und das tun und wollen" ab. Eigentlich ist es auch gar nicht nötig, daß jemand lesbisch oder eine Frau ist, um mitzumachen. Wir wären da auch ganz offen- z.B. die Figur von Austin Powers ist schon sehr nah an einem Drag King dran- die übertriebene Darstellung von Männlichkeit- mit aufgeklebten Kotletten und ausgestopften Hosen und Brusthaartupé das ist schon gar nicht mehr weit...Also wenn er sich diesen Anspruch jetzt geben würde, würde ich ihn sofort als Drag King akzeptieren...