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Transsexualität
im Kontext alternativer Geschlechtlichkeiten
Viele Transsexuelle meinen, dass für drag kings oder queens in erster
Linie das spielerische Moment im Vordergrund steht. Diverse Konventionen
(hier ist es die Bühne, das Lokal oder die BesucherInnen) erlauben
es uns zu sagen: "Das ist bloß ein Spiel", wodurch strikte
Grenzen zwischen der Performance und dem Leben gezogen werden können.
Dahingegen bedeutet die Transsexualität "bitterer Ernst"
und kontinuierlicher Kampf im Alltag, in der Familie oder im Beruf, woraus
nicht selten eine Art Doppelleben resultiert.
Der Begriff
Transsexualität steht zum einen für die medizinisch durchführbare
Geschlechtsumwandlung und zum anderen benennt er die Menschen, die eine
solche anstreben. Der gesetzlich definierte Weg ins andere Geschlecht
durchläuft folgende Etappen: Gesprächstherapie, Hormonbehandlung,
Alltagstest und geschlechtsanpassende Operation.
Solange Transsexuelle
auf medizinische Hilfe angewiesen sind, müssen die von den "Fachleuten"
aufgestellten, konservativen Normen übernommen werden. Das heißt
auch jetzt noch sehr oft "Röcke für Frauen" und "kurzes
Haar für Männer" - kurz gesagt ein unauffälliges Aussehen,
um dadurch möglichst gut wieder in der Masse zu verschwinden. Um
das tatsächliche O.k. für die geschlechtsanpassende Operation
zu erhalten, dürfen wir z. B. nicht homosexuell leben, keine Transvestiten
sein und/oder keine psychologischen Auffälligkeiten aufweisen u.s.w.
Eine andere Position zu vertreten als die medizinisch vorherrschende,
kann also unter Umständen existenzbedrohende Auswirkungen - wie eben
die Verweigerung des medizinischen Eingriffes - haben.
Dieses permanente negative Regulieren - durch massive Einschränkungen
und sogar Verbote - sorgt nicht unbedingt für ein positives Selbstwertgefühl
der Betroffenen. Eben diese von "Fachleuten" aufgestellten,
konservativen Geschlechternormen tragen wesentlich dazu bei, dass sich
viele Transsexuelle gegen den erweiterten Begriff transgender wehren.
So finden es Transmänner unangebracht, wenn sich Lesben oder Butches
als transgender bezeichnen, wiederum gibt es viele Transsexuelle, die
sich nie als transgender bezeichnen können oder wollen.
Ist es also nur eine Frage der Selbstdefinition, oder warum bestehen viele
darauf, sich explizit von anderen Geschlechtsentwürfen abzugrenzen?
Vielleicht
müssen verschiedene Positionen nicht unbedingt Gegensätze sein,
sondern lediglich als andere Schwerpunkte gesehen werden.
Judith Jack Halberstam entwirft den Begriff "Female Masculinity".
Durch diesen bzw. mit diesem Begriff wird festgestellt, dass Männlichkeit
nicht nur von männlichen Körpern hervorgebracht werden kann.
Die Demaskierung der Geschlechterrollen - die Darstellung von "männlichen"
Attributen an und von weiblichen Körpern - stellen also keine bloße
Imitation sondern viel eher eine alternative Männlichkeit dar. "Maskulinität"
muss in keinem Fall eine naturgegebene Verbindung mit dem "männlichen"
Körper bedeuten, sondern sie kann von beliebigen Personen erlernt
und dargestellt werden.
Die Problematisierung der eigenen Geschlechtsidentität betrifft nicht
nur Transsexuelle, es gibt eine ganze Reihe von nicht normativen Maskulinitäten
und Feminitäten, die gelebt werden können und müssen, und
dafür sollte es nicht zuletzt auch eine gesetzlich verankerte Möglichkeit
Zeit unseres Lebens geben.
AutorIn: Si-Phi Kutzenberger
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