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Venus
Boyz: Ein Film über drag king als Performance weiblicher Männlichkeit.
Venus Boyz ist ein experimenteller Dokumentarfilm der Schweizer Regisseurin
Gabriel Bauer über die drag king-Szene New Yorks. In Locarno wurde
er 2001 zum besten Film nominiert, lief im vergangen Sommer bei der Berlinale
und auf etlichen lesbisch-schwulen Festivals.
Ausgangsort ist der "Casanova Club" in New York, der im ersten
Teil des Films den Hauptbezugspunkt bildet. Frauen verwandeln sich darin
lustvoll zu Männern- auf der Bühne werden Männerfiguren
dargestellt, die Parodien bekannter männlicher Stereotypen sind.
Durch die Vermischung von "Männlichem" und "Weiblichem"
werden die ZuseherInnen in ihrer Versuchung zu kategorisieren und zu bewerten
irritiert.
Damit tritt "Venus Boyz" die thematische Nachfolge zu Jeannie
Livingstons Film "Paris is burning" über drag queen Bälle
in New York, an. Durch Besprechungen von Judith Butler und bell hooks
wurde "Paris is Burning" in den feministischen Theoriediskurs
eingeschrieben. bell hooks kritisierte, dass Livingston die Welt der Männer
in "Paris is Burning" mit den Bällen als ihrem Zentrum
konstruiere. Sie sprechen an keiner Stelle über Kontakte zu einer
familiären Welt und Gemeinschaft außerhalb der "drag-balls".
"Venus Boyz" kann diesem Vorwurf getrost entgehen: Immer wieder
werden auch persönlichen Zustände geschildert. Die Drehorte
wechseln von der Bühne in die Wohnungen und zu den Lieblingsplätzen
der DarstellerInnen. Dadurch werden Einblicke in die individuellen Lebens-,
Arbeits- und Beziehungswelten gewährt: Diane Torr wohnt zusammen
mit ihrer Tochter, die die Männlichkeitsdarstellungen ihrer Mutter
oft ganz schön überzogen findet.
Del LaGrace Volcano, der als Mann wahrgenommen wird, ist Fotograf und
setzt sich in seinen Fotos mit geschlechtlichen Zwischenformen auseinander.
Darauf sind Geschlechtsorgane oder "Dicklits" abgebildet, die
zeigen wie viele Variationen zwischen Klitoris und Penis existieren.
Das was bei den drag king-Performances Skepsis verursacht, ist der Genuss
der Boyz an dem durch Männlichkeit bedingten Machtzuwachs. So sagt
zum Beispiel Bridge Markland: "...jedes Mal, wenn ich mir eine Anzugjacke
anziehe, fühle ich mich etwas mächtiger." Auch Diane Torr
spricht davon, dass "Gehen" von/als Männer/n ein Gefühl
von Besitz und Eigentum erzeugt, indem jeder Schritt das Markieren eines
Reviers ist. "Wenn du als Mann den Raum betrittst, beachten dich
die Leute sofort, wenn du als Frau einen Raum betrittst, schauen alle,
ob du sexy bist." Dass Männlichkeit größere gesellschaftliche
Anerkennung bedeutet, wird von den ProtagonistInnen erkannt und angenommen
und läuft damit Gefahr, solche an Geschlecht gebundenen Machtverhältnisse
unreflektiert zu reproduzieren.
Ein anderer Punkt der an der subversiven Wirkmacht von drag, wie sie von
Judith Butler konstatiert wurde, zweifeln lässt, ist das Beharren
mancher Cross Dresser auf einem sogenannten biologischen Geschlecht. So
sagt z.B. Bridge Markland: "Es macht mehr Spaß einen Mann zu
spielen. Ich will kein Mann sein. ... Ich bin eine biologische Frau."
Solche Aussagen widersprechen der These von der sozialen Konstruiertheit
von Geschlecht, dass nämlich jede Geschlechtsidentität wie drag
ist. Drag hat demnach wohl kaum das Potential dazu, die sex-gender-Dichotomie
zu dekonstruieren, weil oft auf ein "biologisches" Geschlecht
rekurriert wird, von dem weggewechselt wird und dessen diskursive Konstruiertheit
oft zugunsten einer außerhalb des Darstellerischen liegenden Faktizität
ausgeblendet wird. Das was drag auf jeden Fall aufzeigen kann ist, dass
das Band, das den geschlechtlichen Körper (sex) mit Geschlechtsidentität
(gender) und dem Begehren (desire) verknüpft, ein beliebiges ist.
In diesem Sinne eine große Empfehlung für "Venus Boyz"!
Autorin: Dominika Krejs
Webtipp:
www.venusboyz.net
www.dragkingdom.de
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