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drag?
Bringt die Ära der drag kings den Anstoß zum langerwarteten
Ende der Zweigeschlechtlichkeit, oder bleibt das subversive Spiel mit
der vermeintlichen Männlichkeit auf Bühne und ZuschauerInnenraum
beschränkt? Welche Möglichkeiten der Auflösung geschlechtlicher
Dualitäten gibt es für transsexuelle Identitäten? Diesen
(- soviel sei schon vorweggenommen- leider unbeantwortbaren) Fragen versuchen
sich Dominika Krejs, J.Sturm, Si-Phi Kutzenberger und Sushila Mesquita
aus unterschiedlichen Perspektiven anzunähern.
Als Lifestyle-Phänomen sind drag kings spätestens seit der Folge
"Boy Girl Girl Boy" (2000) der us-amerikanischen Serie Sex and
the City auch dem Mainstream -Publikum ein Begriff - doch auch auf einer
theoretischen Ebene- hier vor allem durch die Philosophin Judith Butler
hat drag zu Beginn der 1990er einen gewaltigen "Hype" erfahren.
Die zahlreichen einschlägigen Publikationen der letzten Zeit und
der Film "Venus Boyz" (gezeigt im Wiener Schikaneder Kino),
könnten dafür sorgen, dass das Phänomen der drag kings
nun endlich auch hierzulande vermehrt wahrgenommen wird. Thematisch knüpft
daran ebenso die Ausstellung "Female Masculinity" von Petra
Paul, die ab 10.1.2003 im renovierten Wiener FZ zu sehen ist. Infos unter:
fz-bar@wolfsmutter.com
Wie subversiv
kann drag sein?
Was tun wir im Sprechen und Denken über drag? Die Frage des Handelns
und die Wirkung des Gedachten, des Gesprochenen und des bildhaft Dargestellten
äußert sich - wie im "bedeutungsvollen" Sprechen
(oder Sprechen mit Bedeutung) - auch in Gesten oder Bewegungen mit Körpern,
welche nie frei von Bedeutung sind. Wenn wir nun unsere Körper verwenden,
um Gesten zu artikulieren, die nicht mit gelernten Bedeutungen von Körpern
übereinstimmen, können wir dann darauf hoffen neue Bedeutungen
hervorzurufen? Oder bleiben wir immer in der Re-produktion von gelernten
Bildern der "Realität" gefangen? (Das Reale hier gesehen
als immer schon imitierte "Natürlichkeit") Sich die tatsächliche
Wirkung oder das "reale" Erlebnis von Handlungen anzuschauen,
die durch Körper und deren Gestaltung vollzogen werden, führt
zu der Frage, was wir erleben, wenn wir unsere Körper nicht so erfahren,
wie sie von "anderen" gelesen werden.
Beim Nachdenken über drag wird der Ort des Erlebens wichtig. drag
ist die Darstellung von "nicht-kohärenten" (parodistischen)
Körper- und Geschlechterwelten. Solange drag sich auf der Bühne
abspielt, ist das Erleben von Bedeutungsverschiebungen in Bezug auf Körper
mit Lust und Abstraktion verbunden. Die Bühne ist ein gelerntes Bedeutungsfeld,
das Dinge und Körper in ihrer Ernsthaftigkeit hinterfragen kann,
ohne dabei den Ernst des Hinterfragens an sich deutlich zu machen. Die
Frage stellt sich, inwiefern drag, solange es auf der Bühne stattfindet,
überhaupt eine Bedeutungsverschiebung hervorrufen kann. Weitergehend
fragt Judith Butler's Theorie über drag wie, wann und inwiefern drag
subversiv oder politisch wirksam ist. Butler beschäftigt sich mit
dem parodistischen Charakter von drag und beobachtet eine gleichzeitige
Imitation von heteronormativen Strukturen in drag und eine Verschiebung
und Aufdeckung der an sich konstruierten Kategorie der Geschlechter. Butlers
Theorie geht davon aus, dass nicht nur der gesellschaftlich und kulturell
geprägte Teil des Geschlechts (gender) sozial konstruiert ist, sondern
auch der bis heute als biologisch-natürlich bezeichnete körperliche
Teil des Geschlechts (sex). Nach Butler ist die Einteilung der Menschen
in zwei Geschlechter an sich schon eine Konstruktion, welche die anatomisch
"reale" Welt nicht annähernd widerspiegelt. Unsere Körper
werden durch Sprache und gesellschaftliche Normen geformt und zu (ein-)
geschlechtlichen Körpern gemacht. Von dieser Annahme ausgehend, könnten
wir drag einen wirkungsvollen und positiven Effekt zuschreiben, indem
wir konstatieren, dass die Imitation von Geschlecht (auf der Bühne)
auf die Konstruktion von Geschlecht an sich aufmerksam macht. In anderen
Worten: wenn wir es schaffen mit Verkleidung und Gestik das jeweils "andere"
Geschlecht so echt darzustellen, dass seine Originalität oder sein
"Ursprung" nicht eindeutig festzumachen ist, dann wird die "Natürlichkeit"
des Geschlechts an sich als eine ständige Imitation enthüllt.
Judith Butler äußert neben dem erwähnten Zuspruch von
Subversion in drag auch eine ernstzunehmende Kritik an drag. Sie meint,
dass drag die Konstruiertheit von Geschlecht verschleiert, indem die Geschlechterdarstellungen
auf der Bühne immer ein Original (männlich oder weiblich) in
der Weise imitieren, dass sie das Geschlecht idealisieren. Damit würde
drag die Geschlechterkategorien verstärkt wieder in das soziale System
einschreiben. In diesem Sinne muss drag und seine subversive Kraft kritisch
hinterfragt werden.
AutorIn: J.Sturm
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